Auch Milad war im Rolli dabei - Pflanzaktion in der Schlossbergschule

Ein besonderes Ereignis stand jetzt auf dem Stundenplan der 1. und 2. Klasse der „Schlossbergschule“ Ulrichstein: Pflanzaktion der Bäume des Jahres 2015 und 2016 im Schulwald. Denn die zierliche Baumart, die im Jahr 2015 im Mittelpunkt steht, wird oft übersehen oder gar vergessen. Unter Leitung von Schulleiterin und Klassenlehrerin Bärbel Träger sowie Christel Hofmann wurde zunächst eine kleine Wanderung in das „Gründchen“ unternommen, denn hier befindet sich der Schulwald. Nicht mitwandern konnte dabei Milad Khavary, ein afghanischer Flüchtling der auf die Benutzung eines Rollstuhles angewiesen ist. Er ist zusammen mit seiner Schwester in der 1. Klasse der „Schlossbergschule“. Seine Eltern kamen bei der Flucht ums Leben und die beiden Kinder sind nun zusammen mit ihren Großeltern im Ulrichsteiner Flüchtlingsheim untergebracht. Milad und seine Schwester sind inzwischen voll integriert in der Klasse und werden auch von den Klassenkameraden akzeptiert. Die Verständigung klappt auch, oftmals zwar nur mit Gesten, aber durch wöchentlich zusätzliche sechs Stunden Deutschunterricht, wird es immer besser. Milad war aber bei der Pflanzaktion auch dabei, denn Herbert Stein transportierte ihn mit seinem Rollstuhl auf der Pritsche seines Traktors behutsam ins Gründchen.

Im Gründchen war zunächst harte Arbeit angesagt, denn Herbert Stein musste in dem „steinreichen“ Gelände zwei große Pflanzlöcher für Feld-Ahorn, den „Baum des Jahres 2015“ und die Winterlinde, den „Baum des Jahres 2016“ ausheben. Beide Bäume waren von der Darmstädter Forstbaumschule gestiftet worden. Im Beisein von Bürgermeister Edwin Schneider und dem zuständigen Forstbeamten Peter Kraus wurden dann die Bäume gepflanzt. Zu den beiden Baumarten erläuterte Kraus, dass der Feld-Ahorn meist keine Stammstärken erreiche, die sich für die forstliche Nutzung anbiete. Außerdem sei sein Holz dem von anderen, größeren Ahorn-Arten sehr ähnlich, so dass er häufig zur „Nebenbaumart“ verkomme. Der maximal 20 Meter hohe Überlebenskünstler sei äußerst robust und vertrage stark verdichtete Böden, viel Sonne und Trockenheit, sei aber gleichzeitig auch gegenüber zu viel Wasser tolerant. Der kleine Feld-Ahorn sei der ideale Kandidat für stark beanspruchte Standorte. Mittlerweile finde man ihn deshalb auch häufig als Straßenbaum oder Stadtbaum.

Die Linde bezeichnete der Forstbeamte, als Baum mit den vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten, der höchsten Wertschätzung und der größten Bedeutung in der Mythologie: „Es gibt keinen Baum, der mehr mit der Liebe des Menschen verbunden ist und das alleine ist schon eine Kostbarkeit“. Der auch für Nicht-Fachleute augenfällige Unterschied zwischen Winter- und Sommer-Linde liege in deren Wuchshöhe und in der Form der Blätter. Die Winter-Linde werde nur etwa 15 - 25 Meter hoch, wohingegen Sommer-Linden über 40 Meter hoch werden könne. Die Blätter der Winter-Linde, auch Kleinblättrige Linde genannt, seien im Umriss fast kreisrund. Die Krone der Winter-Linde hat die Form eines Herzens mit der Spitze nach oben. Mit ihrer leuchtend goldgelben Herbstfärbung ist sie der Schmuck vieler Gärten und Parks. Eine der wohl stärksten Winter-Linden steht laut Internet bei Rochlitz in Mittelsachsen mit einem Stammumfang von etwa neun Metern. Die Blüten der Winter-Linde öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli, daher auch der deutsche Name „Spät-Linde“. Als nächste Aktion im Schulwald steht im Frühjahr das Reinigen der Nisthilfen auf dem Programm.